Samstag, 20. August 2016

Bolagen -> Storlien

29.07. bis 03.08.2016

Jetzt also Schweden, jetzt also Kungsleden. Geplant war das alles anders... Nur abschätzen wie oft jetzt schon Plan B zum Einsatz gekommen ist fällt mir mittlerweile schwer. Die Hütte an die das nächste Paket gehen sollte hat leider auf meine e-Mail nie geantwortet und auf "Gut Glück" war mir die Sache zu heikel, da in diesem Paket die zweite Ladung Karten mitkommen soll. Die nächste norwegische Post bedeutet aber einen Umweg von ca. 2 Tagen und darauf habe ich keine Lust. Die Post auf der schwedischen Seite der Grenze hingegen liegt förmlich auf dem Weg. Aber zugeben es lockt auch die gute Infrastruktur auf den Wanderwegen in dieser Gegend. Es reiht sich eine Hütte bzw. Fjällstation an die andere und das wiederum bedeutet auch die Aussicht auf den ein oder anderen Saunagang. (Keine Sorge! Dafür ist es hier nicht zu warm :-) )
Vom Bolagen - der See an dem ich gleich nach der Grenze mein Zelt aufgeschlagen habe - geht es recht flott nach Fjällnäs von wo aus ich direkt auf den Kungsleden komme. Gleich nach der ersten Brücke gibt es noch ein nettes Hinweisschild (gut das ich es nicht schon an Abend zu vor gelesen habe, ich hätte kein Auge zugetan): von den hier vor kommenden Moschusochsen solle man 200-300 Meter Abstand halten... Meiner Erfahrung nach erkenne ich Tiere wenn sie sich nicht sehr schnell bewegen erst wenn ich fast schon mit ihnen zusammengestoßen bin... Die meisten rennen, fliegen, hüpfen dann aber erstmal möglichst weit weg. Und beide Parteien haben die Chance sich vom ersten Schreck zu erholen. Moschusochsen tunen dies angeblich nicht. Deshalb habe ich dann jede größere Steinansammlung in der Ferne genausten angestarrt, dass sie sich ja nicht bewegt. Nach Fjällnäs war ich dann wieder so sehr mit der Wegfindung beschäftigt, dass keine Zeit für die Suche nach Moschusochsen blieb.


Eindringliche Warnung vor Moschusochsen
Der Tag war sehr warm, sonnig aber windig und erst gegen Abend ziehen Wolken auf. Am nächsten morgen hält sich mein Elan weiter zugehen aufgrund des anhaltenden Regens dann auch eher in Grenzen. Gegen 11 Uhr komme ich aber doch los nachdem der Regen kurz nachgelassen hat. Aber heute erwischt es mich seit langem mal wieder richtig - irgendwann gibt eben auch Goretex auf... Die Frage ob ich die Schuhe ausziehen sollte um den Fluss zu furten erübrigt sich dann für den heutigen Tag auch. Nass ist Nass.


Wetter am südlichen Kungsleden

Wetter am südlichen Kungsleden

Wetter am südlichen Kungsleden

Gegen Abend schaut dann aber die Sonne wieder vorbei und eigentlich wollte ich ja noch ein bisschen weitergehen aber nach dem mir die Hüttenwirtin (eigentlich ja Hüttenwart-in?) erklärt hat, dass ich auch mit der Karte an der nächsten Fjällstation für die Nächtigung zahlen könnte und wir uns eh so nett unterhalten bleibe ich dann doch in der Fjältjägerstugana.
Die Hüttenwirtin gibt dann auch das Angeln, wobei ich sie angetroffen habe, auf und kommt mit zur Hütte wo ich erst einmal eine Brause zur Begrüßung bekomme und wir über die verschiedenen Wetterdienste und deren Genauigkeit philosophieren. Gesprochen wird ein lustiges Kauderwelsch aus norwegisch, englisch und ein bisschen schwedisch. Denn Kristina spricht ein wenig norwegisch und so komme ich mal wieder ein bisschen zum Sprechen üben :-)

Der gemütliche und herrlich warme Abend in der Hütte und die Aussicht auf einen kurzen Tag mit Saunagang am nächsten Tag tragen nicht ganz unwesentlich zur guten Stimmung bei. 

Am nächsten Morgen (das Frühstück ist schon verschlungen und das Zelt zum trocknen aufgehängt) werden wir Hüttengäste überraschend auf Eierkuchentorte eingeladen. Da lässt es sich nur schwer nein sagen :-) und so stoßen wir quasi mit frisch gebrühten Kaffee auf den Geburtstag der Hüttenwirtin an. 
Während wir so unsere Reisepläne austauschen und ich kundtue in Helags (der nächsten Fjällstation) einen Luxustag mit Bett, Sauna und Middag einzulegen ruft Kristina gleich dort an und reserviert für mich alles. Nur gut, denn es bestätigt sich was ich beim Kaffeekränzchen schon erfahren habe: die Hütte ist ausgebucht und wer ohne Reservierung kommt muss hoffen dass irgendwer seine Reservierung verfallen lässt um nicht im Notlager (den Duschen) zu landen.

Die Tage hier vergehen wie im Flug. Sogar beim gehen komme ich mir endlich schneller vor denn es gibt jede Menge Leute zum Überholen :-) zwischen Sylarna und Blåhammaren kommt es sogar zu einer Art Völkerwanderung (ein bisschen wie am Hochlantsch an einem sonnigen Sonntag).

So oft es geht genieße  ich genieße Sauna und Frühstück an den Fjällstationen und falle wie ich hoffe durch meine blauen Füße nicht allzu unangenehm auf. (Natürlich nicht beim Frühstück... da kann man Strümpfe anziehen!) Es ist nämlich mal wieder ein wenig nass um die Füße und so haben die Schuhe beschlossen einen Teil ihrer Farbe mit meinen Füßen zu teilen. So sehr ich mir dann in der Dusche mit dem Schrubben auch Mühe gebe ich bekomme sie nie ganz ab...
Ansonsten hoffe ich natürlich auf möglichst wenig Regen in der Nacht denn mein Zelt zeigt unerfreulich viele Lecks.
Diese will ich am nächsten Ruhetag in Storlien, wo ja auch mein nächstes Paket bei der Post liegt, wieder abdichten.
Völkerwanderung zwischen Sylarna und Blåhammer
Auf den letzten Metern aus dem Fjell auf die Landstraße passiert es dann: ich stolpere, lasse den Stock fallen, mache einen Ausgleichsschritt, treffe den Stock und es macht knack. Ganz unspektakulär und eigentlich ganz leise nur ist dieses Knack. Aber ich könnte heulen, schreien oder den Wanderstock den ich zerbrochen habe einfach irgendwo in die Landschaft pfeffern!

Gott sei dank kann ich den Impuls unterdrücken und nehme beide Teile mit...

Kommentare:

  1. Puh, jetzt hast Du mir aber einen Schrecken eingejagt, ich dachte erst, das Knack habe sich auf ein Gelenk bezogen...

    Liebe Grüße,
    Corinna

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    1. Das wäre es dann natürlich gewesen mit der Tour... Nein Gott sei Dank war es nicht SO schlimm. Aber die Bedeutung meiner beiden Gehhilfen darf man bei dem zum Teil recht hohen Rucksackgewicht nicht unterschätzen! Der Balanceakt allein beim vom Stein zu Stein hüpfen während des Flussquerens... Da hätte es ohne die Stöcke wohl schon die ein oder andere Bruchlandung gegeben!

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